Gutes Einsingen dauert etwa fünf Minuten: Körper und Kiefer lockern, tief atmen und dann die Stimme sanft wecken, mit Lippenflattern, Summen, Gleitern und ein paar kurzen Tonleitern, immer in angenehmer Lautstärke. Danach gehen hohe Töne leichter, die Töne sitzen sicherer und das Risiko, die Stimme zu überanstrengen, sinkt. Die Routine unten passt für Anfänger, braucht kein Klavier und geht im Auto, im Bad oder auf dem Flur vor dem Karaokeraum.

Das Wichtigste

  • Sing dich sanft ein. Es geht ums Wecken der Stimme, nicht ums Üben des höchsten Tons mit voller Kraft.
  • Halb geschlossene Laute (Lippenflattern, Summen, Singen durch einen Strohhalm) machen die meiste Arbeit mit der wenigsten Anstrengung.
  • Fünf Minuten reichen fürs Karaoke oder einen entspannten Song; zehn vor einer langen Probe, der Chorprobe oder einem Auftritt.
  • Fang in der Lage deiner Sprechstimme an und erweitere dann langsam nach oben und unten.
  • Ein kurzer Vorher-nachher-Check mit dem kostenlosen Test Wie sauber singst du? zeigt den Unterschied.

Warum Aufwärmen hilft

Die Stimme entsteht durch kleine Muskeln und die Stimmlippen, und wie alle Muskeln bewegen sie sich besser, wenn sie vorher sanft benutzt wurden. Eine kalte Stimme klingt oft tiefer, kippt öfter in der Höhe und rutscht leichter vom Ton. Die meisten Sängerinnen und Sänger merken, dass nach ein paar Minuten Summen und Gleiten die Höhe leichter geht und der Klang klarer ist. Deshalb fällt auch dein Stimmumfang nach dem Einsingen größer aus.

Die 5-Minuten-Routine

Mach jeden Schritt in der Lautstärke eines ruhigen Gesprächs. Kratzt oder schmerzt etwas, hör auf und ruh dich aus.

Minute 1: Körper, Kiefer und Atem

  1. Schultern: dreimal nach hinten kreisen, dann fallen lassen.
  2. Kiefer: das Kiefergelenk (vor den Ohren) zehn Sekunden mit den Fingerspitzen massieren, dann den Mund locker leicht offen lassen.
  3. Atem: durch die Nase einatmen, sodass sich Bauch und untere Rippen weiten, nicht die Schultern. Auf ein gleichmäßiges „Sss“ 10 bis 15 Sekunden ausatmen. Dreimal.

Minute 2: Lippenflattern

Lippen locker schließen und so pusten, dass sie flattern („Brrr“), mit etwas Stimme dazu. In der Mitte deiner Stimme wie eine langsame Sirene auf und ab gleiten. Flattern die Lippen nicht, leg zwei Finger an die Wangen. Klappt gar nicht? Dann dieselben Gleiter auf einem gerollten „Rrr“ oder einem summenden „Www“.

Minute 3: Summen und „ng“-Gleiter

  1. Auf einem bequemen Ton „Mmm“ summen und das Kribbeln an Lippen und Nase spüren.
  2. Das Summen etwas nach oben gleiten lassen und zurück, fünfmal, jedes Mal etwas weiter.
  3. Auf „ng“ wechseln (wie am Ende von „lang“) und dasselbe machen, Kiefer locker.

Hast du einen Strohhalm, summ 30 Sekunden lang eine einfache Melodie hindurch. Das ist einer der sanftesten Wege in die Höhe.

Minute 4: Sirenen

Auf „u“ oder „ng“ vom unteren Ende deines bequemen Bereichs bis nach oben und zurück gleiten, langsam und ohne beim Hochgehen lauter zu werden. Lass die Stimme den Gang wechseln, wo sie will; schieb die Bruststimme nicht nach oben. Drei, vier Sirenen genügen.

Minute 5: kurze Tonleitern auf Vokalen

Fünf Töne hoch und wieder runter singen (1-2-3-4-5-4-3-2-1) auf „mi“, „me“, „ma“, „mo“, „mu“, in der Mitte deiner Stimme beginnend. Den Anfangston ein paar Runden lang jeweils einen Halbton höher setzen, dann wieder runter. Kein Klavier nötig: Fang dort an, wo es bequem ist.

Kürzere und längere Versionen

2 Minuten (vor dem Karaoke, in der Schlange): drei langsame Atemzüge auf „Sss“, eine Minute Lippenflattern oder Summ-Gleiter, drei sanfte Sirenen. Leise genug für den Flur.

10 Minuten (vor einem Auftritt oder einer langen Probe): die 5-Minuten-Routine, dann zwei, drei Minuten den echten Song mit halber Stimme und eine Minute die höchste Phrase auf „ng“, bevor du sie mit Text singst.

Einsingen je nach Situation

  • Anfänger: die Routine wie beschrieben. Achte auf den Atem und eine niedrige Lautstärke.
  • Tiefe oder hohe Stimmen: dieselben Übungen, nur dort beginnen, wo deine Stimme bequem ist. Das findest du mit dem kostenlosen Stimmumfang-Test heraus.
  • Kinder: Aus Sirenen wird „Achterbahn“, aus Summen „Bienen“. Kurz und spielerisch.
  • Im Auto: Summen, Lippenflattern und Sirenen gehen beim Fahren. Lass weg, was die Hände braucht.
  • Morgens: Die Stimme ist steifer, also eine Minute länger summen, bevor es hoch geht.

Nach dem Einsingen die Töne prüfen

So siehst du, ob das Einsingen gewirkt hat: Mach den kostenlosen Test Wie sauber singst du? vorher und nachher. Er spielt fünf Töne, du singst jeden nach und bekommst eine Punktzahl von 100. Viele treffen mit warmer Stimme besser. Du kannst auch eine Zeile deines Songs vorher und nachher mit dem kostenlosen Diktiergerät aufnehmen (ohne Anmeldung, nichts wird hochgeladen) und den Unterschied hören. Ist der Song danach immer noch zu hoch, senk ihn um ein, zwei Halbtöne mit dem Tool Tonart ändern; siehe höher singen lernen.

Was du weglassen solltest

  • Schreien oder Schmettern zum Aufwärmen. Das ermüdet die Stimme, bevor es losgeht.
  • Kräftiges Räuspern. Lieber schlucken oder einen Schluck Wasser trinken.
  • Auf dem höchsten Ton einsingen. Arbeite dich hin; Einsingen soll leicht sein.
  • Mit Schmerzen oder Heiserkeit singen. Ruh dich aus. Dauert die Heiserkeit länger als etwa 4 Wochen, geh zum Arzt.

Hör den Song mit deiner eigenen Stimme

Einsingen bereitet deine Stimme vor; es sagt dir nicht, wie der Song klingt, wenn er sitzt. Tera Studio schon: Nimm etwa eine Minute mit deiner normalen Singstimme auf, lad den Originalsong hoch und hör den ganzen Song mit deiner Stimme, die Töne des Originals bleiben, wo sie sind. Mit 2 Minuten Gesang klingt es mehr nach dir. Ein gutes Ziel zum Üben. Mehr unter Karaoke mit deiner Stimme.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man sich einsingen? Etwa fünf Minuten vor dem Karaoke oder einfach so, zehn vor einer langen Probe oder einem Auftritt. Länger ist nicht besser, wenn es dich ermüdet; hör auf, solange die Stimme noch frisch ist.

Muss ich mich vor dem Karaoke einsingen? Es hilft, vor allem bei hohen Songs. Zwei Minuten Summen, Lippenflattern und Sirenen in der Schlange machen den ersten Song leichter.

Was, wenn Lippenflattern nicht klappt? Bei vielen klappt es anfangs nicht. Leg die Finger an die Wangen oder mach dieselben Gleiter auf „Rrr“, „Www“ oder summend. Sie wirken ähnlich.

Soll man sich leise einsingen? Ja. Einsingen wirkt am besten in Gesprächslautstärke. Lautes Einsingen ermüdet die Stimme, statt sie vorzubereiten.

Gibt es eine Übung, wenn die Stimme kippt? Lippenflattern und „ng“-Sirenen durch den Bereich, in dem die Stimme kippt, machen den Übergang weicher. Halt sie leicht und lies höher singen lernen.

Hör jeden Song mit deiner Stimme. Deine ersten 2 Songs kannst du gratis erstellen und anhören.